Zusammenfassung der Risikobewertung

(Die Risikoabschätzung für die einzelnen Szenarien sind durchweg aus den Angaben der von der Erdgasindustrie bestellten Experten entnommen.)

  • Mit Sicker- und Korosionsleckagen ist stets zu rechnen.
  • Bei Erdbeben kann es zum Rohrabriss und Gasblowout kommen.
  • Die langfristige Dichtigkeit der Bohrlöcher kann nicht gewährleistet werden, wegen Korosion und Schrumpfung des Zements. In der Regel sind die Hälfte aller Bohrlöcher nach 10 Jahren undicht.
  • Die Bohrplatzgestaltung ist unzureichend asphaltiert.
  • Mit bis zu 20 Leckagen pro Jahr durch undichte Transportrohre ist zu rechnen.
  • Mit einem schweren Kohlenwasserstoffunfall beim LKW Transport der Lagerstättenwässen ist alle 3 bis 7 Jahre zu rechnen.
  • alle 21 Jahre kommt es zu einem Abriss des Panzerschlauchs
  • Festlegung des Stands der Technik nach den Empfehlungen des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) selbst.
  • Mangelnde Kontrolle durch die zuständigen Bergämter

Beim Fracking handelt es sich also nicht um eine ausgereifte Technik wie uns die Erdgasindustrie weismachen will, sondern es werden Risiken wissentlich eingegangen auf Kosten der Umwelt!

 

 

Risiko Erdbebenzone

Quelle: LGRB BW

Die Lagerstätten des Molassebeckens im Voralpenland liegen durchweg in einer Erdbebenzone. Hier ist immer mit Abrissen der Bohrlochzementierung und der Bohrgestänge und auch der Rohrleitungen durch seismische Stöße und Verwerfungen zu rechnen. Niemand kann die Bohrlochintegrität in Erdbebenzonen dauerhaft gewährleisten. Aufgrund des Vorsorgeprinzips sollte deshalb ein vollständiges Verbot von Fracking Maßnahmen in Erdbebengebieten aller Klassen herrschen.

Risiko Bohrlochdichtigkeit

Bei der Leckage durch das konzentrische Rohrleitungssystem der Bohrung werden zwei Unterszenarien angenommen: Rohrabriß durch tektonische Vorgänge und eine
Leckage infolge einer durch Korrosion / Erosion geschädigte Bohrhülle (Casing & Zement)
am unteren Ende des Standrohres. Durch diese Öffnungen tritt unter Druck
verpumptes Frackfluid aus. Es kommt zur Bildung einer Schadstoffblase nahe am Grundwasserhorizont mit anschließender Ausbreitung im Grundwasser.

Der Rohrabriß durch tektonische Vorgänge ist ein Ereignis, welches nur bei hinreichen starken Erdbeben in der Norddeutschen Bucht oder größeren Bergschäden zu erwarten ist. (Anmerkung BUND: Dies gilt natürlich auch für die Erdbebenzonen in Baden-Württemberg)

Die Wahrscheinlichkeit einer Korrosionsleckage ist eine Standardannahme und muss als hoch angesehen werden. Nach Untersuchungen der Fa. Schlumberger (zitiert nach
Pressemeldungen) sind bis zu 50% aller Bohrungen mit z.T. signifikanten Lecks versehen
[53]. Weitere Details zu Schäden an Bohrlöchern sind der Studie „Well Design and Well
Integrity“ [54]
zu entnehmen. Daraus kann in erster Näherung ausgegangen werden, dass mit Sickerleckagen stets zu rechnen ist.

http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/Gutachten_Technische-Sicherheit.pdf. Seiten 48-49

Besonderheit des Bohrlochverschlusses bei Shale-Gas-Bohrungen ist, dass die Zementation im unteren Bereich der Bohrung durch das Fracturing beschädigt sein könnte. http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/2_9_Kurzgutachten-Bohrung-Zementation-Verrohrung-final.pdf.

Risiko langfristige Dichtigkeit der Bohrlöcher

SCP ist ein Hinweis auf das Entweichen von Gas durch den Ringraum der Bohrungen und damit auf eine Verbindung des Ringraums zu einer Druckquelle aufgrund fehlender Isolation/Abdichtung.

Bei Bohrlöchern handelt es sich um technische Bauwerke, die eine begrenzte Haltbarkeit haben. Erfahrungen mit der Haltbarkeit von Zement liegen erst über 100 Jahre vor. http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/2_9_Kurzgutachten-Bohrung-Zementation-Verrohrung-final.pdf Seite 40. Die Bauwirtschaft gibt daher maximal für diese 100 Jahre Garantien für die verwendeten Baustoffe ab. Die Dichtigkeit der Bohrlöcher muss jedoch für immer gewährleistet sein, denn auch unsere Kinder und Enkel wollen sauberes Trinkwasser haben. Um so mehr gilt dies, als dass giftige Lagerstättenwässer nach dem derzeitigen Stand der Technik in aufgegebene Bohrlöcher verklappt werden!

Man muss gar nicht so lange warten bis die ersten Schäden an den Bohrlöchern entstehen: Nach einer Studie der Erdgasindustrie sind 50% aller Bohrlöcher nach 10 Jahren undicht. http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/Gutachten_Technische-Sicherheit.pdf

Die Zementierung mit Flüssigzement wird durch im Erdgas (vor allem im Tight Gas, wie bei uns am Bodensee vorkommend) enthaltenen Schwefelwasserstoff zerfressen. Dies Problem ist seit langem aus der Abwasserentsorgung bekannt.  http://www.umweltfoerderung.at/uploads/korrosions_und_geruchsprobleme_in_abwasserdruckleitungen.pdf.

Daraus lässt sich folgern, dass eine vollständige, langfristige Abdichtung der Bohrlöcher gegen das Grundwasser mit den heutigen Methoden unmöglich ist!

Risiko Bohrplatzsicherheit

Die Bohrplätze sind aus Kostengründen nicht vollständig alphaltiert. Nur der Kernbereich (WGK Bereich) ist vollständig versiegelt, so dass kein Wasser und Schadstoffe in den Boden dringen kann. Im Außenbereich wird in der Regel durchlässiger, befahrbahrer Schotter eingesetzt. www.erdoel-erdgas.de/.../Bohrplatz_end_%20Stand%20100806.pdf

Der Leitfaden von Exxon sieht folgendes vor: Der WGK-Bereich wird durch eine ausreichend hohe umlaufende Aufkantung von den sonstigen Bereichen getrennt. Das  Niederschlagswasser und sonstige Flüssigkeiten werden aufgefangen. Durch infrastrukturelle Maßnahmen (z.B. Ablaufsysteme, bedarfsgerechtes Absaugen) ist ein Überlauf zu verhindern Die Flüssigkeiten können über ein Entwässerungssystem gesammelt, zum Ansetzen von Spülung verwendet oder per Saugwagen abgesaugt und fachgerecht aufbereitet oder entsorgt werden. Die Minimalanforderung an die sonstigen Bereiche besteht aus einer ausreichend befestigten Fläche, z. B. Schotter, Fahrbahnmatten o.ä.. Die mit Fahrzeugen befahrenen Bereiche sind für die zu erwartende Beanspruchung auszulegen. Das Niederschlagswasser kann in diesem Bereich versickern.

Tatsächlich kann bei Starkregenereignissen, wie sie in Zeiten des Klimawandels häufiger vorkommen, durch überlaufendes Niederschlagswasser aus dem WGK Bereich der Boden und das Grundwasser kontaminiert werden.

Risiko undichte Rohrleitungen

Der von Exxon berufene Experte Dr. Uth bezeichnet das Auftreten von Leckagen als wahrscheinlich. Er rechnet bei vermehrten Frackingbohrungen mit bis zu 20 Leckagen aus  Gas und Flüssigkeiten pro Jahr http://dialog-erdgasundfrac.de/st%C3%B6rfall-szenarien-risikomanagement-und-stand-der-technik.

Der Transport der geförderten Kohlenwasserstoffe und des Lagerstättenwassers ist ein weiteres Problem. Vielfach sind in  diesem Zusammenhang undichte Leitungen aufgetreten http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/titel-124032.html

http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/pressemitteilungen_2012/lbeg-veranlasst-untersuchungen-an-lagerstaettenwasserleitungen-sanierungsbedarf-identifiziert-102175.html

Teilweise wurden in Niedersachsen aus Kostengründen ungeeignete aber billigere Rohre eingesetzt, die dann den chemischen Belastungen durch Kohlenwasserstoffe nicht standhielten. http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/pressemitteilungen_2012/benzol-verunreinigungen-im-erdgasfeld-voelkersen-sachverstaendige-fuehren-mehr-als-1000-messungen-durch-103554.html

 

Risiko Transport

Durch Fracktätigkeit werden nach Angabe der EMPG (Mail v. 30.12.11) künftig (ab 2016)
pro Jahr ca. 100 (kleine) Fracks mit durchschnittlich 500 m3 Frackfluid durchgeführt. Davon
werden ca. 23 v.H. [16] zurückgepumpt und zusammen mit dem geförderten Haftwasser
durch TKW(30 t)- Transport an Verbringungsorte, z.B. Versenkbohrplätzen transportiert.Als Ergebnis ist durch die Fracktätigkeit mit einem zusätzlichen TKW-Unfall alle 7 bzw. 3
Jahre zu rechnen. Auswirkungsbetrachtung: Kontamination Boden und Grundwasser.

http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/Gutachten_Technische-Sicherheit.pdf.Seite 45

Gefahren bestehen auch beim Transport und Umladen der eingesetzten Chemikalien. http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/pressemitteilungen_2012/unfall-auf-dem-gelaende-der-erdgasaufbereitungsanlage-groenkneten-102417.html

Die Häufigkeit der Unfälle und Leckagen beim Transport legen nahe, dass diese systemimmanent, also nicht zu vermeiden sind.

Risiko Abriss Panzerschlauch

Die Prognose bei 100 Fracks pro Jahr mit einer Dauer von 12 h Stunden pro Frack
ergibt sich eine Versagenswahrscheinlichkeit des Panzerschlauchs ca. alle 21 Jahre.
Auswirkung: Ca. 14 m3 Frackfluid werden auf das Erdreich in der Nachbarschaft des Bohrplatzes aufgebracht. Es bildet sich eine Lache von ca. 1400 m2 bei einer Lachentiefe von 1 cm. Boden und Grundwasser werden kontaminiert.
http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/Gutachten_Technische-Sicherheit.pdf. Seite 44

Risiko menschliches Versagen

Am 16.4.2014 musste das LBEG Niedersachsen, die Betreiber der Bohrplätze auffordern, ihre Anlagen zu sichern. Offene Türen und Schlampereien hatten wohl ein Höchstmaß überschritten, dass sich die Behörde zum Eingreifen gezwungen sah. www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/titel-123920.html

 

Risiko Gasausbruch (WCG)

Beim Bohren nach Erdgas kann grundsätzlich das Risiko, eine unbeabsichtigte Lagerstätte mit hohem Druck anzubohren, nicht ausgeschlossen werden. Dadurch kann es zur spontanen Druckentlastung des Erdgases mit Auswurf des Spülfluids kommen.

Nach Angaben der EMPG (Mail v. 3.01.2012) ist beim Bohren nach Erdgas in Shale-Gas-
Horizonten nicht mit Sauergas zu rechnen, Bohrungen in Tight-Gas-Horizonten oder in
konventionellen Lagerstätten können Sauergas zu Tage fördern.

Die Wahrscheinlichkeit des Abriss der Bohrlochapparatur während der
Förderphase kann durch eine massive Einwirkung von außen auf die Bohrplatzstrukturen
durch Verkehrs- oder Umweltbedingte Gefahrenquellen oder den Eingriff Unbefugter
erfolgen. Als verkehrsbedingte Gefahrenquellen dieser Größenordnung sind Anfahren durch
Fahrzeuge, Flugzeugabstürze zu werten, als umgebungsbedingte Gefahrenquellen könnten
z.B. umfassende Bergsenkungen ursächlich sein. Ebenso kann ein gezielter Eingriff
Unbefugter mit erheblichen Tatmitteln z.B. Sprengstoffeinsatz ein Ereignis dieser
Größenordnung auslösen. Als anlagenbedingte Gefahrenquellen kommen unentdeckte Korrosionsschäden an der Armatur in Verbindung mit Kicks aus dem geologischen Geschehen in Frage.

(Anmerkungen BUND: In Erdbebengebieten wie am Bodensee ist mit stärkeren seismischen Aktivitäten zu rechnen, die ebenfalls einen Abriss der Bohrlochapparatur auslösen können.) 

Auswirkungsbetrachtung: Toxische Wirkung H2S, Freisetzung und Brand (Fackel, waagrecht), Wärmestrahlung

http://dialog-erdgasundfrac.de/sites/dialog-erdgasundfrac.de/files/Gutachten_Technische-Sicherheit.pdf. Seite 47

Problem fehlende gesetzliche Vorgaben zur Erdgasförderung

Für die Festlegung des Standes der Technik im Bereich des Bergrechts spielen die Empfehlungen des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) eine wichtige Rolle. Dabei werden die Empfehlungen i.d.R. durch Rundverfügungen der obersten Bergbehörden rechtlich verbindlich umgesetzt. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben zur Bohrplatzsicherheit und zur Bohrlochabdichtung. Der Stand der Technik wird in freiwilliger Selbstverpflichtung in sogenannten WEG-Leitfäden von der Erdöl und Erdgas fördernden Industrie selbst festgelegt http://www.erdoel-erdgas.de/de/Themen/Technik-Standards/Technische-Regeln .

Die Bohrtechnik ist keinesfalls ausgereift und eher als abenteuerlich zu bezeichnen, wenn man sich die Arbeitsberichte einzelner Abteufungen vergleicht: So ist beispielsweise in Deutschland eine Zementierung der Bohrlöcher nicht zwingend vorgeschrieben. Es gibt immer auch Verwerfungen und undichte Stellen/Leckagen, die man von der Oberfläche aus nicht vollständig beheben kann. Teilweise wird mit Sägespänen oder Nussschalen abgedichtet!!! Leckagen bei Tiefenbohrungen sind daher nicht die Ausnahme, sondern unvermeidlich.



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