Das Streuobstwiesenprojekt der BUND Ortsgruppe Konstanz

Bild BUND Streuobstwiese
Bild BUND Streuobstwiese

Eine Streuobstwiese ist zu jeder Jahreszeit eine Augenweide – vor allem aber im Frühjahr, wenn die Bäume über und über mit Blüten bedeckt sind. Sie liefern – richtig genutzt und gepflegt – eine Vielzahl nützlicher Produkte: Obst zum Sofort-Essen, Einmachen, Trocknen, Backen, Saftkochen, Mosten, Schnapsbrennen, Honig, Holz zum Drechseln und Heizen, Grünfutter und Heu für Kaninchen, Schafe, Rinder und Pferde und Blumensträuße nicht nur zum Muttertag. Vor allem sind Streuobstwiesen aber ein Musterbeispiel für die biologische Vielfalt, da sie über 5.000 Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Sie zählen damit zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Wichtig sind für Vögel, Fledermäuse und Insekten alte Bäume mit Höhlen und Rindenspalten. Aber auch die Wiesen sind wichtig: Sie sollten nur selten gedüngt und gemäht werden, damit sich viele verschiedene wildwachsende Blumen entwickeln können. Und schließlich trägt auch die Sortenvielfalt der alten Obstsorten zur Biodiversität und regionalen Identität bei. Während auf Obstplantagen nur die wenigen immer gleichen Sorten angepflanzt werden, gibt es auf den Obstwiesen eine riesige regional angepasste Sortenvielfalt.

Früher waren Streuobstwiesen als Grüngürtel um Dörfer und Städte die Regel. Seit 1965 wurden jedoch in Deutschland über 80%, in Baden-Württemberg über 50% der Streuobstwiesen überbaut oder in Obstplantagen, Äcker und Wiesen ohne Baumbestand umgewandelt. Und immer noch müssen jeden Tag Streuobstwiesen weichen: für Straßen, Bau- und Gewerbegebiete. Darum setzt sich der BUND Konstanz für den Erhalt alter stadtnaher Streuobstbäume und von Streuobstwiesen ein und möchte diese für die Menschen erlebbar machen. Denn nur, was man kennt und liebt, wird man auch schützen!

Weitere Informationen zu Streuobstwiesen und alten Obstsorten finden sie auf diesen Seiten:

Maßnahmen zur Erhaltung des Streuobstanbaus

Langfristig kann der Anbau von Hochstammobst nur erhalten werden, wenn die Wiesen landwirtschaftlich z.B. durch Beweidung genutzt und wenn die Obstbestände durch die in der  Nähe wohnende Bevölkerung geerntet und gepflegt werden. Das kann erreicht werden, wenn die Menschen die Hochstammkulturen wieder als wichtigen Bestandteil der sie umgebenden Natur erkannt und lieben gelernt haben.

Pflege der Bäume und Wiesen

Der BUND hat vor über 10 Jahren am Rande der Konstanzer Stadtteile Allmannsdorf und Staad auf der Allmannsdorfer Höhe, der Jungerhalde und im Hockgraben neue Hochstammbäume alter Obstsorten zusammen mit Bürgern der Stadt gepflanzt. Diese 114 Bäume, welche 69 verschiedene Sorten Streuobst darstellen, werden seither durch den BUND gepflegt. Zur Zeit sind wir eine Stammgruppe von 4 ehrenamtlich aktiven Leuten, die im Frühjahr die Bäume schneiden. Im letzten Jahr wurden zusätzlich in mühsamer Arbeit die Hochstämme auf der Jungerhalde durch Baumgatter geschützt, sodass die Wiesen jetzt beweidet werden können. Auch das Gras der anderen Wiesen wird landwirtschaftlich genutzt.

Anleitung zur Kultivierung von Obstbäumen

Lebensraum Streuobstwiese

Siebenschläfer
Siebenschläfer Bild: BUND Kai Steffen Frank

Leben auf mehreren Etagen

Von der Wurzel bis zur Krone bietet ein Obstbaum vielfältige Lebensräume. Im Wurzelbereich leben Garten-Spitzmaus, Feldmaus und Igel, Eidechsen, Blindschleichen, Erdkröten und natürlich Regenwürmer und Nacktschnecken. Der Stamm, mit Algen, Pilzen, Flechten und Moos bewachsen, beherbergt Käfer, Ameisen, Asseln und Holzwespen. In Baumhöhlen und größeren Astlöchern nisten Buntspecht, Gartenbaumläufer, Wendehals, Gartenrotschwanz und Steinkauz. Vor- oder Nachmieter, manchmal auch Konkurrenten bei der Belegung der Nisthöhlen, bekommen die Vögel durch Sieben- oder Gartenschläfer oder auch Fledermäuse, wie den Großen Abendsegler. In den Baumkronen brüten Singvögel wie Buchfink und Singdrossel. Turmfalke und Mäusebussard nutzen die Bäume als Ansitz bei der Jagd. Die Blätter dienen Insekten und Larven als Nahrung, Jagdrevier und Wohnort.  Auch von Pollen und Nektar der Blüten leben viele Tiere: Bienen, Hummeln, Schmetterlinge. Auf Apfelbäumen wächst die Laubholz-Mistel, deren Früchte viele Vögel verzehren.  Kirschen, Birnen, Äpfel und andere Früchte sind wichtiger Nahrungsbestandteil vieler Vogelarten, und Fallobst bereichert z.B. den Speiseplan von Igel, Dachs und Reh. 

Mehr zum Lebensraum Streuobstwiese

Wildbienen-Nisthilfen

Um den Erhalt der wertvollen Streuobstwiesen zu sichern, brauchen wir Wildbienen. Um wiederum den Erhalt der Wildbienen zu sichern, können wir Menschen diesen emsigen Insekten Nisthilfen bereitstellen. Hier finden Sie Anleitungen zum Selberbauen!

Mehr über Streuobstwiesen

Hier finden Sie den Streuobstflyer 2013 des BUND-Landesverbandes Baden-Württemberg mit vielen Infos rund um den Apfel und regionale Streuobstprojekte.



Umwelttipps für Geflüchtete

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