Das Projekt

Dass ein Wald mit all seinen Pflanzen einen unschätzbaren ökologischen und sozialen Wert hat, ist den meisten Menschen bewusst. Aber auch unsere Stadtbäume spenden Schatten, filtern die Luft, produzieren Sauerstoff, bremsen den Wind, dämpfen den Schall, geben vielen Tierarten ein Zuhause, haben eine positive Auswirkung auf den Grundwasserhaushalt, schützen vor Erosion, verbessern das Klima und verschönern das Stadtbild. Schon ein kurzer Aufenthalt unter Bäumen senkt den Blutdruck und den Cortisonspiegel. Ein wertvoller Beitrag zum Stressabbau der geplagten Städter.

Wir vom BUND-Konstanz finden, dass es angebracht ist, danke zu sagen. Deshalb werden wir ab August 2017 jeweils einen Baum des Monats küren. Die Informationen zum Zustand der jeweiligen Bäume hat uns Herr Majer von den TBK freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Unsere Stadtbäume leiden unter vielfältigen Einflüssen des Menschen: Streusalz, Luftverschmutzung, zu kleine Baumscheiben, Parken auf den Wurzelbereichen, Befahren der Wurzelbereiche, Annageln von Plakaten, Hundekot, Fahrrad abstellen, verdichteter Boden, Beschädigung der Wurzeln durch Baumaßnahmen und vieles mehr. Es ist Zeit, mehr Rücksicht zu nehmen auf unsere still leidenden Mitgeschöpfe.

Baum des Monats Juni

Bild: Antje Boll

Ich bin eine echte Schwarzpappel (Populus nigra) und wachse mit einigen Brüdern und Schwestern im Strandbad von Allensbach. Nicht verwechseln darf man mich mit den gezüchteten Hybridpappeln. Ihr könnt mich erkennen am verzweigten knorrigen Wuchs und an den X-en auf meiner Rinde und den spitzen Blättern.

Wir Schwarzpappeln sind zweihäusig. Das bedeutet, es gibt bei uns wie bei den Menschen Männlein und Weiblein. Wenn ein Artgenosse aber alleine steht, so kann er sich nicht geschlechtlich fortpflanzen. Dies hat zu einer Verarmung unseres Erbgutes in BW geführt: Es gibt nur noch 30 verschiedene genetische Baumtypen bei uns. Alles andere sind genetisch gleiche Ableger. Dies ist einer der vielen Gründe, warum wir in Baden-Württemberg kurz vor dem Aussterben stehen. Am Schlimmsten wiegt jedoch, dass unsere Lebensräume, die Flussauen, zerstört und bebaut wurden. Damit unsere winzigen Samen anwachsen können, benötigen wir freien Boden, wie z.B. Kiesbänke am Ufer der Flüsse, da sie sich in Konkurrenz zu anderen Pflanzen nur schwer durchsetzen können. Deshalb bleibt uns nur ein Weg der Vermehrung über Ableger. Das ist der Grund, warum wir gerne grüne Äste abwerfen in der Hoffnung, dass diese an einer günstigen Stelle am Gewässer neu anwachsen.

 

Meine Kolleginnen und Kollegen im Strandbad und ich sind schon über hundert Jahre alt, was für uns Schwarzpappeln ein stolzes Alter ist. Deshalb ist es umso wichtiger, unseren Standort zu erhalten und uns gut zu pflegen. Momentan läuft sogar ein wissenschaftliches Forschungsprojekt des "Arbeitskreises zur Erhaltung der Schwarzpappel" unterstütz u.a. durch den BUND Konstanz. Im Herbst werden Stecklinge und genetische Proben von uns gemacht, um uns zu züchten und an geeigneter Stelle wieder anzupflanzen. Würde dies nicht geschehen, würden wir Schwarzpappeln wohlmöglich in den nächsten 30 Jahren am Bodenseeufer aussterben.



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