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BUND Konstanz lehnt die Westtangente ab

Wir begrüßen ausdrücklich das Ansinnen, den Konstanzer Ortsteil Wollmatingen vom unzumutbaren gegenwärtigen Verkehrsaufkommen zu entlasten. Eine Entlastung zwischen 30 und 50% wie prognostiziert bedeutete eine erhebliche Erleichterung. Wir bezweifeln allerdings, dass die Westtangente dieses Ziel erreichen kann und dass es die einzige Variante ist. Wegen des nicht ausgleichbaren Eingriffes in das Schutzgut „Tiere und Pflanzen“ lehnen wir die vorgestellte Planung ab.


Begründung:

Verkehrsplanung, Prognosen


• In die Verkehrsplanungen sind die Erleichterungen nicht ausreichend einbezogen, die sich durch den Ausbau der B33 (Bündelung) ergeben werden (Prognose Nullfall plus). Die Verkehrsprognosen für die Belastung von Wollmatingen berücksichtigen nicht den gegenwärtig erheblichen Ausweichverkehr von Pendlern aus Radolfzell/Stockach/Hegau, die nicht die B33neu wählen, sondern bei Güttingen oder über Markelfingen die B220 nehmen und ebenso wie viele Allensbacher, die, via Kaltbrunn, über Dettingen/Wollmatingen nach Konstanz kommen. Nach dem Ausbau wird sich diese Zahl erheblich auf diejenigen reduzieren, die zur Mainau, nach Egg/Staad oder zur Universität wollen und die auch mit Westtangente hier fahren müssten. Schon für Allensbacher wird sich der Umweg über Dettingen dann nicht mehr lohnen, sie werden zukünftig die B33 nutzen um in die Gewerbegebiete zur Arbeit zu kommen. Wollmatingen wird im Durchgangsverkehr dann überwiegend von Universitätsangehörigen frequentiert werden, die auch dann hier fahren müssten, wenn die Westtangente gebaut würde. Für die verbleibenden Fahrzeuge, die direkt nach Konstanz wollen halten wir es für zumutbar, an der Waldsiedlung auf die B33neu zu fahren und einen Umweg von ca. 2 km in Kauf zu nehmen. Dieser Umweg würde ausgeglichen durch diejenigen Fahrzeuge, die von Egg, der Mainau, Litzelstätten und Dettingen nicht über die Westtangente zur B33 fahren, sondern per Nordumfahrung und B220 an der Waldsiedlung Richtung Singen fahren können sowie durch die Fahrzeuge die von Singen kommend nach Wollmatingen oder zur Universität wollen. Für Wollmatingen wäre es vordringlich, das Problem des zunehmenden Quellverkehrs zu lösen, denn hier entsteht die stärkste Belastung.

Eingriff in Natur und Landschaft, Natura 2000 und FFH

• Die „optimierte Kompromisstrasse„ der Westtangente stellt aus „umweltfachlicher Sicht die vergleichsweise verträglichste Variante“( Erläuterungsbericht S. 43), d.h. allenfalls die beste vieler schlechter Möglichkeiten, dar. Das Konzept der Ersatzmaßnahmen ist zwar in sich schlüssig und beinhaltet sehr sinnvolle Verbesserungen für den Naturraum. Die Eingriffe können aber nicht nur nicht vollständig vor Ort ausgeglichen werden, tatsächlich muss die Hälfte des Eingriffs durch Ersatzmaßnahmen ausgeglichen werden. Auch wenn die Flächeninanspruchnahme der FFH Gebiete sehr stark eingeschränkt werden konnte, stellt insbesondere die aufgeständerte Trasse eine schwer kalkulierbare Einflussgröße für die Öhmdwiesen dar. Gleichzeitig sind einige Lebensräume betroffen, die zwar keine FFH-Flächen sind, aber dennoch den Glaucopsyche-Arten Lebensraum bieten bzw. ein Trittsteinbiotop darstellen. Die Abgrenzung der FFH-Gebiete ist hier aus naturschutzfachlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Der LBP räumt deswegen insgesamt eine starke Beeinträchtigung der beiden Glaucopsyche-Arten ein. Das Hochwasser 1999 hat die Bedeutung der FFH-Gebiete Öhmdwiesen und Göldern für das Wollmatinger Ried als Ausweichfläche gezeigt. Viele Arten könnten sich hierher zurückziehen und sind inzwischen wieder ins Wollmatinger Ried eingewandert. Auch wenn in direktem Zusammenhang mit den Öhmdwiesen Flächen verbessert werden sollen, ist nicht absehbar, ob sie sich entsprechend dem komplexen Life-Cycle von Glaucopsyche entwickeln können. Die Flächen liegen z.T. deutlich zu hoch für die Lebensraumansprüche dieser Arten. Beide Arten (auch „Moorbläuling“ genannt) bewohnen Feucht- und Auwiesen in Fluss- und Bachtälern, außerhalb der Hochwasserbereiche. Die Besiedlung von Wiesen, Weg- und Straßenböschungen und Säumen in höheren Lagen ist bei G. nausithous wohl eher die Ausnahme, bei G. teleius nicht bekannt. Populationsbiologische Untersuchungen liegen unseres Wissens nicht vor. Es kann also nicht belegt werden, dass der geplante Lebensraumverlust an der Peripherie der FFH-Gebiete zu keiner Beeinträchtigung dieser Arten innerhalb der FFH Gebiete führt. Die isoliert betrachtet wünschenswerten Ersatzmaßnahmen rechtfertigen nicht den potentiellen Verlust dieser beiden Arten. Positive Entwicklungen, die durch Ausgleichsmaßnahme Grünbrücke an den B33 neu erreicht werden, werden durch die Westtangente wieder zunichte gemacht. Die Beeinträchtigung der FFH-Arten Glaucopsyche ist möglicherweise ausgleichbar, wenn die Fläche „Geldern“ bis an die Kindlebildstraße erweitert und entsprechend entwickelt wird. Es ist unverständlich, wieso dies nicht erwogen wird.

Planungsimmanentes Denken

• Ein weiterer Kritikpunkt ist das planungsimmanente Denken, dass an vielen Stellen deutlich wird. Es wird der Eindruck erweckt, die Straße sei bereits vorhanden und die gegenwärtige Variante eine Verbesserung. Das ist natürlich nicht der Fall, denn es gibt diese Straße nicht und der Verzicht auf ohnehin nicht durchsetzbare Vorhaben kann somit nicht als Fortschritt gesehen werden (z.B. Kreuzungsfreiheit, Verlängerung der Byk-Gulden-Straße, Tieflage der Straße durch die Öhmdwiesen). Auch das Abwägen nicht verbundener Schutzgüter (Verkehrsentlastung Wollmatingen vs. Eingriffe in Natur und Landschaft) gegeneinander ist von der Argumentation nicht zulässig und abzulehnen. Der LBP räumt erhebliche Beeinträchtigungen für landschaftsbezogene Erholung, Landschaftsbild, Boden und Tiere und Pflanzen ein.

Verbesserungsvorschläge

• Rückbau Kindlebildstraße: Wir halten den Vorschlag der FGL Konstanz und des LNV für sinnvoll, die Kindlebildstraße aus Richtung Wollmatingen kommend an die Westtangente anzuschließen und auf der gegenüberliegenden Seite über die Feuersteinstraße weiterzuführen. Unerwünschter Durchgangsverkehr kann dadurch sicher vermieden werden, gleichzeitig wird der Verkehr durch Wollmatingen weiter reduziert.
• Ausweitung des FFH-Gebietes Geldern bis zu Kindelebildstraße: Als wirksame Ausgleichsmaßnahme wäre die Sicherung des gesamten Gebietes Geldern zwischen B33, Bahn, Kindlebildstraße und Byk-Guldenstraße rest. Wetstangente mit entsprechenden Entwicklungsmaßnahmen zu nennen.

Unsere Empfehlung ist, den Ausbau der B33 abzuwarten und nach deren Inbetriebnahme die Situation Westtangente neu zu untersuchen und zu bewerten. Die gegenwärtig hohe Belastung Wollmatingens ist zu einem Gutteil auch auf die unbefriedigende Lösung auf der B33, v.a. auch mit der gegenwärtigen Bautätigkeit und damit verbundenen Störungen am Oberlohnkreisel, zurückzuführen. Das zeigt der starke Anstieg der letzten Jahre. Die fortgeschriebenen Verkehrsgutachten für die B33 zeigen, dass die Prognose 2015 rechnerisch erst 2028 eintreffen wird, wie sich z.B. die faktische Abschaffung der Pendlerpauschale auswirken wird, ist hier noch nicht berücksichtigt.



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