Wir müssen uns immer wieder mit Planungen befassen, die erhebliche Einschnitte in das grünordnerische Konzept der Stadt vorsehen. Im vergangenen Jahr waren es der Sportplatz im Schwaketental, die Villa Remy, Planungen in Egg West und auch die Westtangente. In den Jahren zuvor ging es um Linzgaublick Ost, Schmidtenbühl Nord, Büdingen und Planungen am Hörnle.
Aktuell geht es um Flächen westlich der Villa Douglas. Nach dem Bebauungsplan aus dem Jahr 1993 wurde dieser Bereich, damals nach einer Festlegung aus dem BPlan von 1976/1983 als SO 2 bezeichnet, auf Anregung der Eigentümer und seinerzeit bereits als Ausgleich für damalige Erweiterungen am Rehazentrum, explizit aus dem Baufenster entfernt, weil dies „den Erhalt des dortigen wertvollen Grünbestandes, der eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen dem Lorettowald und dem Seeufer“ bewirkt. Insbesondere der nur periodisch Wasser führende Tobel stellt diese Funktion zwischen den Bodenseeufer und Gewässern auf dem Bodanrück sicher. Es ist nicht zu erkennen, dass sich die Situation seit 1993 dahingehend verändert hätte, dass man inzwischen auf diese Verbindung verzichten könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Zum einen sind Bodanrück und Bodenseeufer inzwischen als Europäische Naturschutzflächen gemeldet. Eine wichtige Funktion: die Vernetzung. Der Hockgraben stellt dafür in Konstanz die einzige Verbindung dar. Zum anderen hat sich die Situation an der Seestraße durch die teils erheblichen Nachverdichtungen der vergangenen zehn Jahre deutlich verschlechtert. Viele alte Bäume wurden gefällt, viel Fläche überbaut. Seitens der Stadt konnte oder wollte man hier nicht eingreifen, es hätte wohl ein Bebauungsplan aufgestellt werden können, der Festsetzungen gestattet hätte, die nach der gegenwärtigen Rechtslage nicht möglich sind.
Wir sehen es sehr positiv, dass die Stadt auf der planerischen Ebene schon früh die wichtigen Grünverbindungen und sensible Bereiche für den Naturschutz definiert hat.
Der Umgang mit diesen wichtigen Erkenntnissen überrascht uns aber immer wieder. Allein dadurch, dass ein Wettbewerb auch für Landschaftsarchitekten ausgeschrieben wird, ist noch nicht gewährleistet, dass Aspekte des Naturschutzes Berücksichtigung finden. Der Wettbewerb für das Areal Büdingen aus dem Jahr 2005 zeigt, was für Ergebnisse ein solcher Wettbewerb bringen kann. Die Sorge ist groß, dass durch einen Wettbewerb
noch vor Aufstellung des Bebauungsplanes Fakten geschaffen werden und Festsetzungen erfolgen, hinter man die hinterher im eigentlichen Verfahren nicht mehr zurückkommt – nachvollziehbar, wenn der Vorhabensträger bereits erhebliche Geldmittel für den Wettbewerb zur Verfügung stellen musste. Wir bitten Sie deswegen, dem Vorhabensträger eine andere Version ans Herz zu legen, damit die wichtige Grünverbindung erhalten werden kann und damit die grünplanerischen Bemühungen das Papier wert bleiben, auf dem sie stehen.
Vorhabenbezogener Bebauungsplan "Villa Douglas - 2.Änderung": Einleitungs- und Aufstellungsbeschluss Der TUA beschäftigt sich mit dem Antrag der Schmieder Kliniken Stiftung & Co. auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens "Villa Douglas - 2.Änderung". Als Grundlage für den Plan soll ein Ralisierungswettbewerb ,,Neurologische Prävention mit landschaftsplanerischem und städtebaulichem Strukturkonzept" durchgeführt werden. Ziel des Wettbewerb ist es, ein Bebauungskonzept für die neue Abteilung "Neurologische Prävention" der Kliniken Schmieder zu finden. Für das Gesamtgebiet soll zudem ein landschaftsplanerisches und städtebauliches Strukturkonzept als Grundlage für die Bebauungsplanänderung erarbeitet werden. mehr
Südkurier Konstanz 24.1.09 von Josef Siebler (online) Villa mit Park
Die 1992 gebauten Kliniken Schmieder befinden sich im Park der Villa Douglas. Das herrschaftliche Anwesen im spätklassizistischen Stil entstand 1852/53, zuvor befand sich dort ein Rebgut. Die späteren Besitzer waren Karl Graf Douglas und seine Frau Louise. 1972 kaufte die „Neue Heimat“ das Anwesen, 1986 die Kliniken Schmieder. Park und Villa sind als Flächendenkmal eingestuft. Der Landschaftsgarten reicht zurück ins frühe 19. Jahrhundert. Er wurde mehrfach verändert. Im Bereich, der bebaut werden soll, befindet sich entlang des Hockgrabens ein kleines Wäldchen. Darin stehen neben zwei Naturdenkmalen, einem Mammutbaum und einer Blutbuche, typische Auen-Gehölze. Bei der Bestandsaufnahme stellten Biologen geschützte Vogel- und Fledermausarten fest. (jos)
Klinik Erweiterung umstritten
Eine von den Kliniken Schmieder geplante Erweiterung am Konstanzer Seeufer ist heftig umstritten.
Gemeinderäte ließen sich von der Leitung der Kliniken Schmieder die geplante Erweiterung im Park der Villa Douglas erläutern. Die Pläne sind umstritten. Bilder: Hanser / Montage: Allgaier
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Konstanz – Die Pläne der Kliniken Schmieder betreffen einen Gesundheitsbereich, der zunehmend wichtiger wird: Prävention. Berufstätige, die mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen, können sich neurologisch durchchecken lassen und zugleich am Seeufer Erholung suchen. Doch das bisherige Angebot in der bestehenden Klinik werde nicht angenommen, weil Gesunde die Unterbringung gemeinsam mit Schwerkranken scheuten, erläuterte der ärztliche Leiter Roger Schmidt dem Technischen und Umweltausschuss. Es gehe darum, für alle optimale Verhältnisse zu schaffen. Daher wollen die Kliniken in einem vom Haupthaus entfernten Bereich des großen Parks bauen. „Es muss so gut konzipiert sein, dass es angenommen wird“, sagte die Geschäftsführende Gesellschafterin Dagmar Schmieder. Das Baufenster des bestehenden Bebauungsplans „Villa Douglas“ weist einen Platz unterhalb des Hauses aus. An der nun geplanten Stelle befindet sich entlang des Hockgrabens der verbliebene Grünzug, der eine Verbindung vom Bodanrück zum See schafft.
Im Konzept ist von rund 24 Zwei-Zimmer-Einheiten die Rede, wie sie verteilt und ob sie ein- oder mehrgeschossig gebaut werden, hängt vom Wettbewerb ab. Dagmar Schmieder warb um Vertrauen, beim Bau des Haupthauses sei ihr Unternehmen stets auf die Wünsche der Stadt eingegangen, dies wolle man nun nicht anders handhaben. Der Bau sei wichtig, da die Klinik selbst nicht weiter ausgebaut werden könne.
Bürgermeister Kurt Werner begrüßte das geplante Verfahren mit einem Realisierungswettbewerb. „Wir haben hier die Chance, Mehrwert zu gewinnen.“ Er sprach von einer maßvollen Verdichtung. CDU und Freie Wähler begrüßten die Baupläne geschlossen. Ähnlich der Mettnau-Klinik in Radolfzell könne in Konstanz ein neues Gesundheitszentrum geschaffen werden, sagte Alexander Fecker (CDU). Dagmar Schmieder bestätigte diesen Ansatz: „Wir stellen uns eine Mettnau für neurologische Prävention vor.“ Der Wettbewerb werde zeigen, ob die Bebauung verträglich sein kann, argumentierte Jürgen Faden (FWG). „Der Tobel am Hockgraben ist nicht großartig schützenswert.“
FGL und SPD stimmten gegen die Pläne. Der Gemeinderat habe das Baufenster bewusst unterhalb der Klinik ausgewiesen, sagte Peter Müller-Neff (FGL). Der Hockgraben-Tobel sei zu wertvoll. Er schlug vor, Alternativen zu suchen, so näher an die Eichhornstraße zu rücken. Brigitte Leipold (SPD) sprach von der einzigen verbliebenen ungestörten Grünfläche in diesem Gebiet am Seeufer. „Es wäre ein Jammer, wenn man das kaputt macht.“ Werde der 50-Meter-Abstand zum Ufer eingehalten, bleibe nach der Bebauung vom Wäldchen nicht mehr viel übrig.
Der Ausschuss beschloss mit einer Stimme Mehrheit ein Bebauungsplan-Verfahren. Grundlage soll der Wettbewerb sein. Der Gemeinderat entscheidet abschließend.
Südkurier Konstanz 24.1.09: Kommentar von Josef Siebler (online)
Schwieriger Glücksfall
Es ist keine Frage: Die geplante Erweiterung der Kliniken Schmieder ist für Konstanz ein Glücksfall und kein Unglück. Dennoch steht der Gemeinderat vor einer schwierigen Aufgabe, da einer der beiden verbliebenen Grünzüge auf dieser Uferseite der Konstanzer Landzunge bedroht ist. Das weitere Verfahren muss zeigen, ob es eine Alternative zum vorgesehenen Baugelände gibt.
Das Gesundheitswesen gewinnt weiter an Bedeutung. Für Konstanz ist daher nicht nur ein funktionierendes städtisches Klinikum wichtig. Privatwirtschaftliche Einrichtungen sind als Bindeglied zum Tourismus bedeutend. Das neue Schmieder-Projekt ist sogar ein Idealfall, weil die Gäste, die das Angebot locken soll, die Stadt und die schöne Seelandschaft kennenlernen. Angesprochen sind Menschen, die um ihre Gesundheit besorgt sind und beispielsweise einen bevorstehenden Schlaganfall befürchten. Die Kliniken Schmieder bieten an, sich entsprechend durchchecken zu lassen.
Das ist die gesundheitliche und wirtschaftliche Seite. Stadtverwaltung und Gemeinderat müssen aber alle Aspekte beachten: Gerade wegen der Bodenseelandschaft ist das Gelände als Grünzug vom Lorettowald zum Ufer ausgewiesen. Daher hat die Stadt das Baufenster im weiten Park der Villa Douglas bewusst auf einen Standort konzentriert. Die Klinken Schmieder wollen aber an einer anderen Stelle bauen. Im Abwägungsprozess muss der Rat nun entscheiden, ob ihm der Grünzug wirklich wichtig ist. Das ist keine Frage des Geschmacks, der Wirtschaftspolitik und schon gar nicht des Parteibuchs.
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Die Frage ist auch nicht, ob einzelne Bäume im Park der Villa besonders schützenswert sind. Es geht vielmehr um Grundzüge der Bauleitplanung: Baugebiete, Sportplätze oder eben Grünzüge werden nicht aus Jux und Tollerei ausgewiesen. Der Gemeinderat kann kurz vor Ende der Legislaturperiode beweisen, dass er diese urpolitische Frage erkennt und Antworten darauf suchen will.
Das schließt eine Einigung mit der Klinikleitung nicht aus. Vielleicht ist ein Kompromiss möglich. So könnte das Bauvorhaben stärker in Richtung Rosenau und Eichhornstraße rücken. Oder der vorgesehene Wettbewerb wird ausgedehnt: Er könnte vielleicht zeigen, dass mit einer geschickten Planung die Neubauten im bestehenden Baufenster möglich sind. In anderen Fällen sagt Bürgermeister Kurt Werner in schöner Regelmäßigkeit, alles sei möglich – es komme nur auf den Entwurf an.